Trend zur weiblichen Devotion

Seit etlichen Monaten beobachte ich auf dem Büchermarkt die immer zahlreicher erscheinenden Bücher zum Thema Devotion. Immer mehr Frauen schreiben Romane, in denen es darum geht, dass die Protagonistin sich in die Welt der Hingabe, der Devotion und des Masochismus verliert. Meist ist der Tenor des Buches, dass eine Frau sich neu entdeckt, in dem sie den einen Herrn, den dominanten Mann kennenlernt, der sie in ungeahnte Höhen der Lust entführt, und sie beschützt und verführt.

Interessant finde ich zum einen, dass auch dort das alte romantische Märchenmodell „Mann erweckt Frau“ immer wieder zu finden ist. Nicht nur in den Romanen dort, sondern auch in der SM-Szene gibt es viele Beschreibungen (speziell in den einschlägigen Internet-Foren), von „dem einen Mann“, der dem Leben einen Sinn gibt und das Mädchen zur Frau macht. Ist es nicht spannend, dass das Romantikideal sich durch alle Neigungen zieht?

Zum anderen sehe ich hinter diesem „Trend“ zur weiblichen Devotion eine andere Form zur Wiederentdeckung der Weiblichkeit.

Was ist Weiblichkeit? Was ist Männlichkeit? Da kann man sicherlich viel und lange darüber diskutieren. Derzeit spreche ich eher von männlichen und weiblichen Energien: männliche Energie ist aktiv, voranschreitend, zielgerichtet, weibliche Energie ist aufnehmend, in sich ruhend und passiv (im Sinne von „einfach Sein“).

Frauen haben in den letzten Jahrzehnten ihre männliche Seite verstärkt entwickelt und dabei ihre weiblichen Qualitäten verloren bzw. sogar unbemerkt abgewertet. Doch eine Frau ist per se weiblich, was macht also eine Frau aus, wenn sie ihre weibliche, hingebungsvolle Seite nicht mehr ausleben kann? Sie wird zur Mannfrau. Das heißt natürlich nicht, dass Frauen ihre starke Seite nicht mehr ausleben sollen. Doch wo kann eine Frau ihre weibliche Seite noch ausleben? An der Seite eines starken Mannes, eines dominanten Mannes, der die Frau dazu anleitet, wieder ihre weibliche (devote=hingebungsvolle) Rolle auszuleben.

Ich glaube also, dass der Trend des SM mit den damit verbunden Rollenmustern viele Frauen und Männer heutzutage anspricht, weil die ihnen naheliegenden Qualitäten zum Klingen gebracht werden.

Do you have something to say?

Your email is never published nor shared.
Required fields are marked *