“Ich hatte ja ein bisschen Bammel vor Ihnen”, räumte eine Coaching-Kundin am Ende der zweiten Paar-Beratung ein. Als ich überrascht nachfragte, wovor sie denn Angst gehabt hätte, sagte sie, sie hätte mal einen Film über eine Sexualtherapeutin geschaut. Und da musste das ratsuchende Paar in Sexshops und Swingerclubs gehen, um sein Sexleben wieder aufzufrischen. Und darauf hätte sie nun gar keine Lust gehabt. Welcher Film das genau war, wusste sie leider nicht mehr.

Ich fand ihr Feedback sehr interessant, denn es zeigt mal wieder, mit welchen Vorurteilen man als Sexualberaterin zu kämpfen hat, ohne es zu wissen. In den Medien werden natürlich immer die filmtauglichen Geschichten erzählt. Und da ist der Besuch in einem Sexshop oder in einem Swingerclub viel interessanter für den Film als ein Gespräch zwischen zwei Menschen in einem Beratungszimmer.

Dabei sind es oftmals gar nicht die großen Dinge, die ein Paar tun muss, um sich wieder näher zu kommen. Manchmal reicht einfach die Struktur eines festen Termins und meine moderierende Anwesenheit aus, damit sich die Paare endlich einmal offen austauschen über ihre Wünsche und Bedürfnisse. Dabei können auch Themen auftauchen, an die sie sich bisher nicht rangetraut haben. Das können Sätze sein, die vor 20 Jahren einmal gefallen sind und die ihre Spuren hinterlassen haben. Oder es geht um ganz einfache organisatorische Veränderungen, die einem Paar wieder mehr Luft für Lust verschaffen können. Und wenn man sich diese “Monster” dann einmal anschaut, dann ist es oft gar nicht so schlimm, wie man immer gedacht hat.

Und niemand, wirklich niemand muss bei mir etwas tun, was er oder sie nicht tun möchte. Die Entscheidungsmacht und die Verantwortung liegt immer bei Ihnen!