Liebe braucht Zeit und Raum. Aber Raum und Zeit verändern sich und damit auch die Liebe. Wer die Aufregung der Anfangszeit um jeden Preis erzahlten möchte, handelt widernatürlich. Wer würde einen niedlichen Welpen nicht wachsen lassen wollen? Wer würde ein Kind davon abhalten zu wachsen? Leben ist auf Wachstum, auf Weiterentwicklung ausgerichtet. Welcher Baum hört auf zu wachsen, solange er genug Erde und Wasser hat?

Nur die Mensche glauben, der Sex müsste so aufregend und leidenschaftlich sein wie am Anfang. Wie im Film: Ekstase ist oft geprägt von Aufregung und Grenzüberschreitung. Vom Nicht-Wissen, aber auch dem Mut des Sich-Trauens.

Ob im Film oder in den Büchern, spannend ist immer die Frage: wie kriegen sie sich? Eine stetige Wiederholung von Romeo und Julia. Was wäre aus ihnen geworden, wenn sie einander wirklich hätten haben können? Wie wäre ihre Beziehung weitergegangen?

Romantik ist Sehnsucht, Sehnsucht nach Erfüllung, Leidenschaft das Aufbrechen der angestauten Gefühle. Erfüllung und Sattsein kommt danach.

Wie ein Heißhunger. Oder die Lust am Trinken. Die meisten haben in ihrer Jugend wilde Trinkgelage erlebt und sich mal mehr weniger dabei ordentlich übernommen. Im Laufe des Alters geht es von der Menge eher zum Genuss. Meist kann der Körper auch nicht mehr so viel vertragen wie früher. Der Körper verändert sich. Er hat nicht mehr so viel übersprudelnde und bewegliche Energie, sondern ist gesetzter, dafür tiefer verwurzelt. Die Abenteuer der Jugend sind vorbei. Jetzt kommen die Abenteuer des Alters, was auch immer das sein mag. Es gilt herauszufinden, wer man wirklich ist. Was ist es, was einen treibt, was man (sich) noch erfüllen möchte? Wohin soll der Rest des Lebens gehen? Man sieht, alles verändert sich.

Liebe ist geprägt von Nähe und Geborgenheit. Von Sicherheit (so trügerisch sie vielleicht auch sein mag) und Geborgenheit, aber nicht so viel spontaner Leidenschaft. So verändert sich die Leidenschaft des Verliebtseins in eine ruhige sinnliche Liebe. Daran ist nichts falsch, das ist der Weg der Natur.

Eine offene Beziehung versucht diesen Lauf immer wieder zu vermeiden. Neues Spiel, neues Glück, neue Aufregung. Daran ist nichts falsch, aber es ist nicht die Lösung für das ruhige Glimmen der Liebe.

Worum es eigentlich geht: Am Anfang stellt man Nähe durch Sex her. Später ist man sich nah und braucht Sex gar nicht mehr so sicher. Deswegen ist seltener Sex nicht unbedingt ein Zeichen für schlechte Liebe. Aber wer sich insgeheim darüber ärgert, dass es so „selten“ Sex gibt, der sollte eher schauen, wie häufig er wirklich Sex möchte. Aber er sollte es auch nicht  vergessen. So wie man daran denken muss, Sport zu treiben, so solle man auch Zeit für die körperliche Liebe einplanen. Alles braucht Zeit und Raum.

Sexuelle Energie ist Lebensenergie. Man sollte sie sich auf unterschiedliche Art und Weise holen können. Über Sex, aber auch über ein erfülltes Leben. Ein sinnliches Leben voller Genuss, Körperlichkeit und Sinnlichkeit.