Gestern abend war ich im Schwimmbad. In der Umkleidekabine unterhielten sich drei junge Frauen, vielleicht so mitte zwanzig. Es ging: um Männer. Die eine wohnt wohl mit ihrem Freund zusammen und beklagte sich darüber, dass er so wenig im Haushalt helfe. Vor allem würde er nie die trockene Wäsche vom Wäscheständer herunternehmen. Die könne wochenlang da hängen, das würde er gar nicht sehen.
Ihre Freundinen stimmten ihr eifrig zu. Die eine meinte: ja, das ist typisch Mann. Die packen die Wäsche gar nicht erst weg, sondern ziehen die Klamotten einfach direkt vom Wäscheständer weg an. Die erste betonte dann nochmals ihren Ärger: Ja und wenn er es dann dochmal macht, dann macht er es nicht richtig, der kann das einfach nicht.

Als ich das hörte, musste ich sehr lachen. Es ist doch kein Wunder dass er nicht hilft. Denn wenn er es macht, dann macht er es ja nicht richtig. Wieso soll er etwas tun, wenn er hinterher von seiner Freundin doch nur Undank erntet, weil er es nicht „richtig“ gemacht hat?

Ich habe mich in den Worten der jungen Frau wieder erkannt, wie ich auch einmal war. Ich hatte eine Vorstellung davon, was richtig ist, nämlich mein Bedürfnis. Und hatte das Gefühl, das, was mein Partner macht, ist falsch. Doch das ist schon der erste Fehler. Es gibt zwei unterschiedliche Meinungen oder Verhaltensweisen und keine ist falsch oder richtig. Und der zweite Fehler ist, wenn man dem Partner nicht ermöglicht, es in seiner Art zu machen. Denn dann hat man sofort noch eine Verurteilung mit drin. Es ist dabei egal, wer dabei welchen Part übernimmt, und um welches Thema es geht. Es sollte immer darum gehen, wie man gemeinsam eine Lösung findet, und Fehler machen muss dabei erlaubt sein. Also was könnte man in so einer Situation tun:

Was der Mann tun könnte: Seiner Freundin mal mitzuteilen, dass er die Wäsche so wegräumt, wie er es für richtig hält. Und dass er keine Lust hat, wie ein kleiner Junge kritisiert zu werden, wenn er es nicht genau so macht, wie seine Freundin es möchte.

Was die Frau tun könnte: Akzeptieren, dass ihr Freund eine andere Vorstellung von Ordnung hat. Zum einen stört es ihn anscheinend nicht, wenn da Wäsche rumsteht. Deswegen macht es keinen Sinn ihm das vorzuwerfen. Und wenn sie eine bestimmte Ordnung in der Wäsche möchte, dann sollte sie sich selbst darum kümmern und es ihm nicht vorwerfen, dass er IHRE Ordnung nicht befolgt.

Was beide gemeinsam tun könnten: Sie könnten verabreden, dass sie das Signal zum Aufräumen gibt, wenn ihre Grenze erreicht ist. Und dann räumen beide einfach gemeinsam auf und sind zu zweit sogar schneller als alleine. So hat sie die Möglichkeit, ihrem Wunsch nach Ordnung nachzukommen, ohne immer alles alleine machen zu  müssen. Und er muss nicht die Verantwortund dafür übernehmen, dass es seiner Freundin zuviel Chaos werden könnte. Dieses Vorgehen muss aber von beiden getragen werden.

Alternativ könnten auch einfach ganz klar Aufgaben verteilt werden. Sie räumt die Wäsche weg und er macht dafür etwas anderes, zum Beispiel saugen.

Wichtig ist also anzuerkennen, dass niemand mehr recht hat als der andere. Es geht darum, eine gemeinsame Lösung für die unterschiedlichen Bedürfnisse zu finden und wegzukommen, von einem entweder-oder, hin zu einem sowohl-als auch oder gar zu einer ganz anderen Lösung.