Schon immer hatte ich das Problem, dass ich mir schlecht Ziele vornehmen konnte. Ob es die Vorstellung war, welches Lebensziel ich habe, was ich am Ende meines Lebens erreicht haben möchte, oder ob es einfach darum ging, mir vorzunehmen, täglich eine bestimmte Aufgabe zu erledigen. Ich habe immer an mir ge- und verzweifelt, dass ich das nicht kann. In jedem Coaching-Kontext geht es darum, Ziele zu fokussieren und Schritt für Schritt umzusetzen. Es klappte bei mir einfach nie.

Neulich las ich das Buch „Einfach liegen lassen“ von John Perry. Und mir wurde klar: Hey, ich habe zwar keine Ziele, aber ich habe ja doch schon sehr viel geschafft in meinem Leben. Es ist ja nicht so, dass ich nur faul auf dem Sofa herumläge, sondern ich habe immer wieder neue Ideen, die ich dann auch meistens in die Tat umsetze (um alle zu realisieren, bräuchte ich mehr Zeit). Das war schon einmal eine wichtige Erkenntnis: Ich bin zwar nicht perfekt, aber trotzdem (oder gerade deswegen?) produktiv.

Und gestern hatte ich nochmal ein riesiges Aha-Erlebnis: Bei einem Webinar von Monika Birkner  wurde mir klar, was mich antreibt, sind keine intellektuellen Ziele, sondern  mein persönliches Interesse. Meine Begeisterung, meine kritischen Gedanken, meine Fragen zu einem Thema. Sobald ich anfange zu denken, ich müsste ja eigentlich, oder: In X Tagen will ich das und das erreicht haben, verliere ich die Lust an der Aufgabe. Meine Energie sinkt, der Spassfaktor auch, und ich bekomme nichts zustande. Und auf einmal habe ich gemerkt: Ich muss mir nie wieder Ziele setzen, die ich meist ja dann doch nicht erreiche. Ich muss mich immer nur wieder fragen: Was interessiert mich jetzt gerade?

Als ich das meinem strukturierten Mann erzählte, wandte er gleich ein: Aber so ganz ohne Ziele und Pläne geht es auch nicht, zum Beispiel bei der Neustrukturierung von meinem Webportal erosa.de Und natürlich hat er recht damit. Aber das Gute ist ja, dass er den Part des Strategen dabei übernimmt. Wenn ich ihn nicht im Projekt hätte, bräuchte ich vermutlich jemand anderen, der diese Aufgabe für mich übernähme. Denn das ist nicht meine Stärke, muss es auch gar nicht sein. Dafür gibt es ja genau solche Menschen wie meinen Mann, denen Struktur, Pläne und Ziele richtig Freude bereiten und die das auch gut können.

Wie sagte eine andere Teilnehmerin des Webinars über sich: Ich bin gut unterwegs, ohne das Ziel meines Weges nennen zu können.