Dies ist einer der häufigsten Sätze, die im Rahmen meiner Arbeit ausgesprochen werden. Ob zwanghaftes Masturbieren, Kitzelfetisch oder noch nie erlebte Beziehungserfahrungen, die Themen dabei sind vielfältig. Auch wenn solch eine Aussage für mich nichts mehr Neues ist, so bin ich doch immer wieder berührt, dass es Menschen gibt, die zum Teil ihr ganzes Leben schon noch nie mit einem realen Menschen über ihre sexuellen Vorlieben gesprochen haben. Vielleicht haben sie im Internet sich mit Gleichgesinnten ausgetauscht, aber sie haben noch nie jemandem dabei in die Augen sehen können oder ein persönliches Feedback bekommen.

So banal es vielleicht klingen mag, allein dieses Aussprache, diese Anerkennung der Situation ist schon ein sehr großer Schritt für die Betroffenen. Neulich hatte ich einen Mann in meiner telefonischen Beratung, der mir einfach von seinem Leben erzählen wollte. Er hat einen speziellen Fetisch, hatte noch nie eine Beziehung, und hat nur in speziellen Internetforen ähnlich fühlende Menschen gefunden, mit denen er sich austauschen kann. Und doch war er mit sich auf eine Art im Reinen, die ich sehr beeindruckend fand. Über Jahre hinweg hat er sich so akzeptiert, wie er ist und er möchte auch nicht anders sein, auch wenn er sich manchmal einsam fühlt. Ich weiss nicht, wie sein Leben weitergehen wird, aber es war für ihn ein sehr mutiger und wichtiger Schritt, nicht nur vor sich selbst zu sich zu stehen, sondern es einmal im Leben jemand anderem mitgeteilt zu haben. Vielleicht gibt ihm die Erfahrung mit mir den Mut, sich auch einmal einem anderen Menschen zu offenbaren, vielleicht aber auch nicht.

Dieser Mann wollte von mir nicht wissen, wie er seinen Fetisch ausleben oder möglicherweise loswerden kann. Und das war das Entscheidende: Ihm ging es nicht darum, die Situation zu ändern. Er hatte keine Erwartungen an jemand anderen, oder dass sich die Situation ändern müsse. Das ist große Freiheit. Denn viele haben Angst, wenn sie ihre Wünsche oder Bedürfnisse äussern, dass sie entweder dafür verurteilt werden oder aber ihre Wünsche nicht erfüllt bekommen.

Manche haben das (elterliche) Verbot, ihre Wünsche auszusprechen, so verinnerlicht, dass sie sich noch nichtmal vor sich selbst eingestehen geschweige denn laut aussprechen können, was sie sich wünschen.

Deswegen kann es so wichtig sein, einmal alles auszusprechen. Man kann anfangen damit, dass man es aufschreibt und niemandem zeigt. Oder im Internet sich schriftlich mit anderen austauscht. Oder aber zu jemand neutralen wie mir geht und es einfach ausprobiert zu sagen: So bin ich und das ist gut so, wie es ist!