Erinnern Sie sich noch an meinen letzten Brief?Da habe ich Sie gefragt, was wünschen SIE sich ganz persönlich in Sachen Sex. Haben Sie schon darüber nachgedacht? Wissen Sie es jetzt? – Nein? Dann lesen Sie doch einfach ein paar Frauenzeitschriften, da stehen viele Tipps drin 😉 Sie wissen es? Super 🙂 – Und? Schon umgesetzt? – Nein? – Warum nicht, ist doch ganz einfach, oder nicht? Funktioniert nicht so einfach, sagen Sie? Kann ich mir vorstellen, nicht immer ist es so leicht, eine Situation zu verändern. Deswegen möchte ich Ihnen heute zwei kleine Geschichten erzählen, die veranschaulichen, wie Sie eine verfahrene Situation auflösen können:

Eine Frau beschwert sich darüber, dass ihr Mann keinen Sex mehr mit ihr möchte. Sie hat keine Lust mehr auf Klärungsgespräche, auf Dessous, alle Sextipps sind ausprobiert, nichts hat wirklich funktioniert.
Aus Frust nutzt sie eine Gelegenheit, geht fremd, beichtet es dann doch ihrem Mann und es kommt ein schweres, aber wichtiges Gespräch zustande. Sie erfährt: Es war ihrem Mann nicht wirklich klar, wie wichtig ihr der Sex ist. Und: Aufgrund ihrer Unzufriedenheit war sie immer zickiger und launischer geworden. Sie hat ihn immer mehr aus ihrer eigenen Unzufriedenheit heraus so sehr kritisiert, dass der Mann natürlich erst recht keine Lust mehr zu sinnlichen Spielereien hatte.
Man sieht: Reden ist nicht gleich reden. Damit ein Gespräch wirklich etwas bringt, ist wirkliche Offenheit gefragt, auch wenn es nicht leicht ist. Und oft sieht man seinen eigenen Anteil an der Situation nicht.

Als zweites nun ausnahmsweise ein Beispiel aus meinem eigenen Leben: Ich hatte vor ca. 10 Jahren einen Freund. Der wollte nicht so wirklich gern küssen. Aber manchmal dann halt doch. So richtig schön weich, sinnlich und lustvoll. Davon wollte ich natürlich mehr. Aber je mehr ich mir das von ihm wünschte, umso weniger bekam ich es.
Der Mann wollte nämlich von alleine küssen und nicht, weil ich es mir gewünscht hatte. Da stand ich also nun mit meinem Problem: wünschen ging nicht, dann war’s ja gefordert. Ein Wunsch so nach dem Motto „so ein Kuss in der nächsten Zeit wäre schön“ half da auch nicht wirklich weiter. Zum Schluss lautete mein Wunsch nach mehr sinnlichen Küssen dann ungefähr so: „Verdammt noch mal, warum küsst mich denn nicht so sinnlich, wie ich das will??!!“ Das half natürlich auch nicht.
Irgendwann habe ich aufgegeben. Ich habe es wirklich innerlich komplett losgelassen, und nicht mehr darauf gelauert, dass jetzt endlich mal dieser heiß ersehnte Kuss kommt. Ich entspannte mich (und tat nicht nur so und wartete heimlich weiter) und siehe da – auf einmal bekam ich diese heißen Küsse! Zwar immer noch nicht so viel, wie ich gerne gehabt hätte, aber immerhin!

Und die Moral von der Geschicht? Trotz und Fordern hilft uns nicht 😉 Wie Sie sehen, besteht die Lösung nicht immer darin, mit dem Gegenüber zu reden. Manchmal hilft auch eine sogenannte „paradoxe Intervention“, indem man seinen Wunsch einfach loslässt. Leider gibt es keine Regel, anhand derer man herausfinden kann, welche Lösung in welcher Situation die richtige ist. Manchmal sind sogar beide Lösungen notwendig, manchmal aber auch wieder eine ganz andere.