Das Jahresende naht und schon tauchen überall die ersten Artikel auf, die einem erklären wollen, wie man gute Vorsätze am besten in die Tat umsetzt. Natürlich lädt das beginnende Jahr dazu ein, einen Neustart zu machen. Endlich ein konkreter Zeitpunkt, ab dem man dieses oder jenes ganz anders macht als bisher. Aber ich selbst habe mir noch nie gute Vorsätze zum neuen Jahr vorgenommen. Das hat eigentlich nur einen Grund: Sie funktionieren bei mir einfach nicht.

Mache ich also etwas falsch? Nein, mache ich nicht. Denn: Ich bin kein Mensch, der sich mit Zielen motivieren kann, auch wenn die Masse der Ratgeber immer genau dies propagiert. Es hat lange gebraucht, bis ich das erkannt und akzeptiert habe. (Siehe auch mein Artikel: Nie wieder Ziele) Man könnte sagen, ich lebe prozeß- oder situationsorientiert, so wie die Natur auch: Kein Sprössling nimmt sich vor, diese oder jene Pflanze zu werden, er wächst einfach. Kein Vogel nimmt sich vor, ein Nest zu bauen, sondern baut es einfach, wenn die Zeit reif ist. Ich bleibe im Hier und Jetzt, verbinde mich immer wieder mit meinen inneren Wünschen und Bedürfnissen. Dann mache ich einfach den ersten Schritt. Und wenn nicht, dann später, wenn es stimmig ist.

Wenn ich merke, dass ich sich bei bestimmten Themen einfach nichts verändert, und ich nicht weiter weiß, dann hole ich mir Hilfe und versuche zu verstehen, warum ich  nicht weiterkomme. Ja auch mir als Coach (und allen anderen Coaches) passiert es, dass wir uns in unserem eigenen Dickicht verlaufen und nicht mehr herauskommen. Wir sind ja auch nur Menschen…

Jahresrückblick

Was ich aber seit bestimmt 20 Jahren mache, ist ein Jahresrückblick. Egal, ob ich Silvester alleine oder mit Freunden verbracht habe, immer habe ich mir am 31.12. die Zeit genommen, mir das vergangene Jahr anzuschauen und damit auch zu würdigen. Während meiner Studienzeit gab es viele Jahresrückblicke, bei denen ich frustriert war, weil sich nichts veränderte. Aber so war es halt. Mittlerweile bin ich immer wieder überrascht, wie viel eigentlich passiert ist, und wie viel ich geleistet oder erarbeitet habe. Denn das vergisst man so leicht. Man sieht meist immer nur das, was noch vor einem liegt, was noch erledigt werden muss oder wohin man noch will. Ich bewerte nicht, was ich im letzten Jahr erlebt habe. Ich schaue es mir einfach an und würdige es.

Möchten Sie wissen, wie ich da vorgehe? Es ist ganz einfach: Nehmen Sie sich alleine oder mit Ihrem Partner Zeit für einen Rückblick, am besten mit offenem Ende. Falls das nicht geht, rate ich zu einer Stunde Ruhezeit.

Dann nehmen Sie sich ein Blatt Papier und notieren dort alles, was Ihnen einfällt. Besondere Events, beruflich Herausforderungen, familiäre Themen, persönliche Veränderungen, Höhepunkte und Krisen, da gibt es keine Vorgaben. Sie können Stichworte aufschreiben oder einfach ein wenig zeichnen. Ich würde ihnen zum Zeichnen raten, weil das nochmal eine andere Qualität hineinbringt. Es entsteht im wahrsten Sinne des Wortes ein Gesamtbild, egal, wie gut oder schlecht sie zeichnen können. Falls ihnen gar nichts einfällt, können Sie auch in Ihren Kalender schauen, aber bitte nur dann!
Wenn Sie es zu zweit machen, arbeiten sie beide erst mal für sich und zeigen sich dann am Ende gegenseitig die Ergebnisse. Es ist interessant zu sehen, was der/die andere notiert hat, was man selbst vielleicht vergessen hat, und umgekehrt. Auch das ist vollkommen in Ordnung, dass jede/r ganz unterschiedlich Gewicht legt auf das, was passiert ist.
Bewerten Sie die Erlebnisse nicht, sondern nehmen Sie einfach wahr, was in diesem Jahr geschehen ist. Lassen Sie es wirken. Sie müssen nichts weiter tun.